29.11.2019

«No-Name-Produkte werden als ‹Billigware› angesehen»

Interview: displaysolutions AG

Guten Tag Herr Wolf, danke, dass wir dieses Interview mit Ihnen führen dürfen.

Pforzheim ist in Deutschland ein renommiertes Gebiet für die Schmuckherstellung. Wieso hat gerade die Luxusgüterindustrie eine langjährige Tradition in Pforzheim und Umgebung?
Artur Wolf: Pforzheim wurde durch die 1767 von Markgraf Karl Friedrich von Baden begründete Schmuck- und Uhrenindustrie weltbekannt. Darauf nimmt der Name Goldstadt beziehungsweise Gold-, Schmuck- und Uhrenstadt Bezug. In der Stadt werden etwa 75 Prozent der deutschen Schmuckwaren produziert. Ausserdem befindet sich hier in Pforzheim die einzige Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule in Deutschland. Ferner ist die komplette Infrastruktur für die Lieferkette in Pforzheim existent.

Sind Sie familiär oder durch den eigenen Berufswunsch mit der Schmuckherstellung in Berührung gekommen?
Zur Zeit meiner Ausbildung war in der Pforzheimer Schmuckindustrie noch Hochkonjunktur, viele Schulabgänger wurden damals noch direkt aus der Branche kontaktiert – so auch ich. Nachdem ich mir die verschiedenen Berufsbilder angeschaut hatte, entschied ich mich, eine Ausbildung zum Stahlgraveur zu machen. Nach erfolgreicher Ausbildung folgte dann noch die Weiterbildung zum Meister. Diese handwerklichen Fähigkeiten helfen noch heute in der Entwicklung unserer Produkte.

Werden gewisse Arbeitsschritte in Ihrem Betrieb heute noch von Hand ausgeführt? Welchen Stellenwert hat die Handarbeit heute in der industriell gefertigten Schmuckherstellung?
Durch neue Techniken, wie z.B. die CNC-Bearbeitung, konnten in den letzten Jahren einige Arbeitsschritte beinahe gänzlich automatisiert werden. Unsere Kunden fordern ein hohes Mass an Präzision und Wiederholgenauigkeit, was jedoch nicht bedeutet, dass wir auf Handarbeit verzichten könnten. Insbesondere die Handpolitur unserer Produkte, die durch Spezialisten mit langjähriger Erfahrung durchgeführt wird, ist durch nichts zu ersetzen.

Gewisse Schmuckstücke aus Ihrer Kollektion werden in verschiedenen Materialien hergestellt. Können Sie die Verarbeitung von verschiedenen Materialien bei Ihnen intern bewältigen oder sind Sie auf externe Partner angewiesen?
In unserem Hause werden alle entwicklungsrelevanten Arbeiten autark durchgeführt. Auch das Testen und die Bearbeitung neuer, nicht schmuckspezifischer Materialien. Alle mechanischen Bauteile unserer Produkte fertigen wir intern auf speziell angefertigten Werkzeugen und Maschinen, um eine einwandfreie Funktion zu gewährleisten. Selbstverständlich greifen wir auch auf externe Dienstleister zurück, um beispielsweise Produktionsspitzen abzufangen.

Was denken Sie, wohin sich der Trend in der Schmuckherstellung bewegt?
Der Trend wird sich höchstwahrscheinlich in Richtung immer individueller angefertigte Schmuckwaren bewegen. Das bedeutet: Der Endkunde wird in Zukunft den gewünschten Schmuck selbst entwerfen oder konstruieren, die Herstellung jedoch einem Spezialisten überlassen. Im Markensegment werden neue Technologien Einzug halten, die ein schnelles, flexibles Reagieren auf Kundenwünsche bei kleineren Stückzahlen ermöglichen, und der Bau von aufwendigen Werkzeugenwird vermieden. Im Bereich höherer Stückzahlen werden aber die klassischen Produktionsmethoden Bestand haben.

Wie sind Sie dazugekommen, die Lizenz der Marke Lanvin zu erwerben?
Stahl Germany war auch in der Vergangenheit für die komplette Entwicklung und Anfertigung von Herrenschmuck für LANVIN PARIS verantwortlich. Die direkte Zusammenarbeit erfolgte jedoch über einen in Paris ansässigen Vertriebspartner, welcher leider schliessen musste. Es lag also nahe, die Anfertigung und den Vertrieb zusammenzulegen, was die Geschäftsleitungvon Lanvin sehr begrüsste. Daher konnten wir einen länger laufenden Lizenzvertrag unterzeichnen.

Welchen Stellenwert hat eine international renommierte Marke im Bereich der Schmuckherstellung?
Einen sehr hohen. Nur durch den hohen Anspruch an Entwicklung und Qualität der Markenprodukte ist eine Fertigung in Deutschland auf dessen Lohnniveau überhaupt möglich. Ferner hat sich das Kaufverhalten der Endkunden insbesondere im asiatischen Raum dahin gehend geändert, dass No-Name-Produkte als «Billigware» angesehen wird. Zusätzlich ist ein Markenprodukt zum Statussymbol geworden.

Wie sind Sie auf displaysolutions AG gekommen? Wurden wir Ihnen empfohlen?
displaysolutions ist uns als leistungsstarker, verlässlicher Partner empfohlen worden.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit displaysolutions AG gestaltet? Würden Sie uns weiterempfehlen? Was hat Sie besonders überzeugt?
Wir würden displaysolutions ohne Wenn und Aber jederzeit weiterempfehlen.

Herr Wolf, herzlichen Dank für Ihre Zeit und den Einblick, den Sie uns gewährt haben.

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